Renault und Thales haben am 15. Juni 2026 auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris einen gemeinsamen Prototypen enthüllt: das Konzeptfahrzeug 4 TROOP. Die Basis ist der in Deutschland ab 48.578 EUR erhältliche Rafale E-Tech 4x4 300 (Plug-in-Hybrid, 221 kW / 300 PS). Für die Bundeswehr ist das Fahrzeug derzeit kein Thema — die Beschaffungspläne 2025/26 setzen auf andere Plattformen.
Zivile Plattform, militärische Elektronik
Äußerlich unterscheidet sich der 4 TROOP kaum vom Serienfahrzeug: Mattes Beige, Schutzfolien auf den Frontscheinwerfern, Geländereifen und ein Dachträger mit Zusatzausrüstung verraten die militärische Ausrichtung. Die entscheidenden Änderungen stecken im Innenraum. Thales integrierte seine Combat Digital Platform — ein vernetztes Steuerungssystem — in das Fahrzeug. Damit lassen sich mehrere unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen) und bodengebundene Roboterplattformen gleichzeitig koordinieren. Gesicherte Kommunikationskanäle, leistungsfähige Rechentechnik und KI-gestützte Entscheidungsunterstützung gehören dazu. Über Mittel zur elektronischen Kampfführung schweigen beide Unternehmen.
Renault 4 TROOP: Prototyp des taktischen Kommandofahrzeugs auf Basis des zivilen Rafale, präsentiert auf der Eurosatory 2026.
Plug-in-Hybrid für taktischen Leisegang
Der Antrieb entspricht dem Serienstand des Rafale E-Tech 4x4 300: Das System kombiniert einen Verbrennungsmotor mit einem 22-kWh-Akku (Plug-in-Hybrid) und liefert 221 kW / 300 PS an alle vier Räder. Die rein elektrische Reichweite gibt Renault mit bis zu 105 km nach WLTP (europäischer Normverbrauchszyklus) an — im Militäreinsatz bedeutet das lautlosen Betrieb ohne laufenden Verbrennungsmotor. Zusätzlich unterstützt das Fahrzeug die Funktion Vehicle-to-Load (V2L): Damit kann externe Elektronik direkt aus dem Fahrzeugakku gespeist werden, ohne separates Aggregat.
Konzept ohne Beschaffungssignal für Deutschland
Renault betont, das Fahrzeug ließe sich bei Bedarf vergleichsweise schnell in Serie fertigen — Ersatzteile und Wartung über das bestehende Händlernetz inklusive. Dieser Dual-Use-Ansatz (zivile Plattform für militärische Zwecke) gewinnt bei europäischen Herstellern an Bedeutung: Ford bewirbt ähnliche Konzepte mit F-Series- und Ranger-Plattformen, Mercedes zeigte auf der Eurosatory 2026 Sonderversionen der G-Klasse und des Sprinters.
Für die Bundeswehr ist der 4 TROOP nach aktuellem Stand kein Beschaffungskandidat. laut Hartpunkt umfasst der Beschaffungsplan 2026 rund 70 Vorhaben mit einem Volumen von 48 Milliarden Euro — darunter mehr als 1.800 Boxer-Fahrzeuge und tausende Lkw auf Basis des Rheinmetall HX3. Das 4 TROOP taucht darin nicht auf. Die Präsentation auf der Eurosatory zielte erkennbar auf die französischen Streitkräfte und deren taktisches Netzwerk SCORPION.
Der zivile Rafale E-Tech 4x4 300 ist hingegen ab sofort in Deutschland erhältlich — zu Preisen zwischen 48.578 und rund 58.000 EUR je nach Ausstattung. Auto Motor und Sport ordnet das Konzept als interessanten, aber noch weit von einer Serienreife entfernten Ansatz ein.