Am 8. Juni 2026 fuhr ein Xiaomi YU7 GT die Nürburgring-Nordschleife ohne Fahrer – und stoppte die Zeit dabei offiziell bei 10:29,483 Minuten. Es ist das erste Mal, dass ein Fahrzeug mit autonomem Fahrsystem eine gemessene Runde auf der legendären 20,8-km-Strecke abgeschlossen hat. Für den deutschen Markt bleibt das Modell vorerst unerreichbar: Ein offizieller Verkauf ist frühestens 2027 geplant.
Autonomes System langsamer als der Mensch – aus gutem Grund
Der Vergleich zeigt die technischen Grenzen: Im gleichen Monat stellte der YU7 GT im handgesteuerten Betrieb einen Produktions-SUV-Rekord auf der Nordschleife auf – 7:22,755 Minuten. Die autonome Runde liegt gut drei Minuten dahinter. Das liegt nicht an der Hardware, sondern an den Sicherheitsalgorithmen: Das System kalkuliert stets Pufferszenarien ein und fährt deutlich konservativer als ein erfahrener Testpilot. Wichtig: Das eingesetzte autonome System ist ein Sonderaufbau für diesen Testlauf, kein serienmäßiges Fahrassistenzsystem – eine direkte Übertragung auf das Serien-Fahrassistenz (Level 2) ist damit nicht gegeben.
Technische Daten: 897-Volt-Architektur, 738 kW, 2,92 Sekunden
Der YU7 GT basiert auf einer 897-Volt-Hochvolt-Architektur – einem System, das schneller lädt als das verbreitetere 400-Volt-System – und trägt eine 101,7-kWh-Batterie. Die Systemleistung beträgt 738 kW (1.003 PS), der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 2,92 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 300 km/h. Xiaomi gibt an, dass sich in 15 Minuten Ladezeit ein Reichweitengewinn von 570 km ergibt – welcher Messzyklus zugrunde liegt (WLTP oder der chinesische CLTC), ist offiziell nicht bestätigt. Der europäische WLTP-Wert dürfte deutlich darunter liegen.
In China startete das Fahrzeug am 21. Mai 2026 ab umgerechnet rund 47.000 Euro (389.900 Yuan inkl. 13 % chinesischer MwSt.). Im Mai wurden 8.736 Einheiten ausgeliefert.
Kein offizieller Verkauf in Deutschland – Parallelimporte mit Tücken
Wer das Fahrzeug jetzt in Deutschland haben möchte, kann nur über Parallelimporteure wie CEVM oder auto-china.com zugreifen – zu Preisen zwischen 80.000 und 99.000 Euro. Das Problem: Diese Fahrzeuge kommen mit dem chinesischen GB/T-Ladeanschluss, der mit dem in Europa gültigen CCS2-Standard (europäischer Ladestecker-Standard) nicht kompatibel ist. Die Ladeleistung ist damit auf rund 90 kW begrenzt, statt der nativ möglichen 350 kW.
Hinzu kommen EU-Zölle: Auf Xiaomi-Elektrofahrzeuge gilt ein Ausgleichszoll von 20,7 % zuzüglich 10 % Basiszoll – zusammen rund 30,7 %. Laufende Mindestpreisverhandlungen (Stand: Januar 2026) könnten die Belastung reduzieren, werden die Endpreise aber weiterhin weit über dem chinesischen Niveau halten.
Xiaomi plant den offiziellen Markteintritt in Deutschland für 2027 – mit CCS2-Ladetechnik, EU-Typzulassung und lokalem Garantie- und Servicenetz. Das Münchner F&E-Zentrum;, das seit 2025 unter Leitung ehemaliger BMW- und Porsche-Ingenieure arbeitet, entwickelt die Modelle gezielt für den europäischen Markt. Welche Varianten zum Start angeboten werden und zu welchem Preis, ist noch offen.