Volkswagen beendet die seit 2022 bestehende Entwicklungsallianz mit Bosch für automatisiertes Fahren – trotz rund 1,5 Milliarden Euro Investition. Die intern entwickelte Technologie galt als nicht wettbewerbsfähig, vor allem beim freihändigen Fahren im Stadtverkehr (Level 2++, also hochautomatisierte Fahrassistenz ohne Notwendigkeit zur ständigen Hands-on-Kontrolle). Volkswagen kauft entsprechende Systeme künftig von externen Lieferanten – ein Schritt, der mitten in der größten Konzernkrise seit Jahren fällt.
Neuer ADAS-Stack von Mobileye und Valeo
Als Ersatz setzt VW auf eine seit März 2025 aktive Partnerschaft mit dem israelischen Chip-Spezialisten Mobileye und dem französischen Zulieferer Valeo. Beide liefern gemeinsam einen Level-2+-Fahrassistenz-Stack (teilautomatisiertes Fahren mit erweiterter Sensorik) für künftige Fahrzeuge auf der bewährten MQB-Plattform. Das erste Modell mit dem neuen KI-basierten System soll der VW ID.Every1 werden – ein Einstiegs-Elektroauto, dessen Marktstart für 2027 geplant ist.
Für die weitergehende Level-3-Automatisierung (bedingte Fahrautomation, bei der der Fahrer die Kontrolle zeitweise vollständig abgeben darf) setzt Volkswagen auf die Mobileye-Chauffeur-Plattform. Einen konkreten Zeitplan dafür gibt es bislang nicht. Cariad, die Software-Tochter des Konzerns, übernimmt dabei künftig die Rolle eines Integrators statt Eigenentwicklers. Im Juni 2026 eröffnete Cariad einen KI-Campus in Berlin mit rund 1.000 Fachleuten – fokussiert auf KI und softwaredefinierten Fahrzeugbau (SDV).
Kostenspardruck und Betriebsratskonflikt
Der Ausstieg aus der Bosch-Allianz ist Teil des Sanierungsprogramms unter Konzernchef Oliver Blume. VW plant, die jährlichen Investitionsausgaben zwischen 2027 und 2031 um rund eine Milliarde Euro zu kürzen. Vier deutsche Werke sollen schließen, bis zu 100.000 Stellen stehen zur Disposition.
Der Betriebsrat reagiert scharf. IG Metall und Arbeitnehmervertreter von Cariad kritisieren die Fremdvergabe als Verlust von Wissen und Wertschöpfung – laut Autohaus.de fordern sie, Schlüsseltechnologien im Konzern zu halten statt an externe Anbieter aus Israel oder den USA abzugeben. Aus ihrer Sicht gefährdet die Entscheidung die digitale Souveränität des Unternehmens langfristig.
Offene Fragen zum Milliarden-Einsatz
Unklar bleibt, welche Teile des gemeinsamen Codes und der Patente VW nach der Trennung nutzen darf und ob sich die 1,5 Milliarden Euro jemals amortisieren. Cariad begründete das Ende der Allianz offiziell damit, dass sich Markt und Technologie „anders entwickelt" hätten als erwartet – eine Formulierung, die wenig über die internen Benchmarks verrät, die zur Entscheidung führten, berichtet das Handelsblatt.
Für Käufer künftiger VW-Modelle bedeutet der Kurswechsel konkret: Fahrassistenz-Funktionen wie automatisches Spurhalten, Überholassistent und Stau-Pilot kommen ab 2027 nicht mehr aus Wolfsburg, sondern aus Tel Aviv und Paris.