1.499 Exemplare, 611 kW und ein By-Wire-Schaltsystem: Der Ferrari 12Cilindri Manuale startet ab 590.000 Euro und bringt das Schaltgefühl zurück – auf völlig neue Art.

Ferrari bringt das Schaltgetriebe zurück – zumindest dem Gefühl nach. Der neue 12Cilindri Manuale kombiniert einen 6,5-Liter-Saugmotor mit 611 kW / 830 PS mit einem elektronisch gesteuerten By-Wire-Schaltsystem. Weltweit entstehen genau 1.499 Exemplare, jedes als Einzelkommission im Tailor-Made-Programm. Ab 590.000 Euro (inkl. 19 % MwSt.) ist der Einstieg in Deutschland möglich – rund 190.000 Euro mehr als der reguläre 12Cilindri.

Antrieb und Technik

Der V12-Saugmotor bleibt unverändert: 6,5 Liter Hubraum, 611 kW / 830 PS, maximale Drehzahl 9.500 U/min. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 2,9 Sekunden, 200 km/h sind nach 7,9 Sekunden erreicht, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 340 km/h.

Das Herzstück des Manuale ist jedoch nicht der Motor, sondern das sogenannte Manuale-by-Wire-System. Dabei handelt es sich um kein klassisches Handschaltgetriebe, sondern um ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT), das über einen mechanisch anmutenden Schalthebel und ein drittes Pedal bedient wird – beide ohne direkte mechanische Verbindung zum Getriebe. Stattdessen übermitteln Sensoren die Befehle an die Elektronik, die dann die Hydraulik des DCT steuert.

Das System bildet sechs Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang ab. Die Elektronik blockiert den Schalthebel, wenn die Kupplung nicht betätigt wird oder ein Gangwechsel zu einer gefährlichen Überdrehzahl führen würde. Wer das Kupplungspedal ungenau dosiert, riskiert Ruckeln – oder sogar ein Abwürgen des Motors. Ferrari hat das absichtlich so ausgelegt, um das Gefühl eines echten Handschalters zu reproduzieren. Per Knopfdruck lässt sich jederzeit in den vollautomatischen Modus wechseln.

Der Schalthebel wiegt weniger als 3,5 kg, enthält aber komplexe Sensorik und Mechanik, die Kraftaufwand, Rastpunkte und Widerstand eines traditionellen Schaltgetriebes imitieren. Ferrari hat zudem die Akustik im Innenraum abgestimmt: Beim Schalten sind gezielt Klick- und Mechanikgeräusche hörbar.

Gestaltung und DACH-Verfügbarkeit

Im Innenraum kehrt die offene Kulisse mit sechsstufigem Schaltbild zurück – Rückwärtsgang oben links, klassisch angeordnete Pedale. Der runde Aluminiumschalthebel verfügt über ein beleuchtetes Display, das Gang und Getriebestatus anzeigt. Die Mittelkonsole wurde neu gestaltet und trägt ein eloxiertes Aluminium-Element in Stimmgabelform, das gleichzeitig als Schlüsselfach dient.

Äußerlich orientiert sich der Manuale am Ferrari 365 GTB/4 Daytona: Zierstreifen an Frontsplitter und Heckspoiler, gelaserte Seitenemblem, überarbeitete Scudetto-Logos sowie geschmiedete Fünfspeichen-Felgen. 25 Ferrari-Erbfarben stehen zur Auswahl.

Ferrari positioniert den Manuale als Antwort auf Kundenwünsche nach analogem Fahrerlebnis – nicht zuletzt nach der kontrovers aufgenommenen Präsentation des vollelektrischen Luce im Mai 2026. Ob das By-Wire-System langfristig so zuverlässig und wartungsarm wie ein klassisches Handschaltgetriebe ist, hat Ferrari bislang nicht offengelegt. Angaben zu Servicekosten oder Händlerschulungsanforderungen fehlen noch.

In Deutschland sind Fahrzeuge über Händler wie LUEG (Düsseldorf), Riller & Schnauck (Berlin) und Emil Frey (München) bestellbar. In der Schweiz ist B.I. Collection (Zürich) zuständig. Konkrete Lieferzeiträume für den DACH-Raum hat Ferrari nicht kommuniziert. Österreichische Käufer zahlen 20 % USt., in der Schweiz gilt ein Mehrwertsteuersatz von 7,7 % – ein direkter Preisvergleich zwischen den drei Märkten erfordert entsprechende Umrechnung. Über die DACH-spezifische Stückzahl-Zuteilung hat der Hersteller bisher geschwiegen, wie Auto Motor und Sport berichtet.

Die Produktionszahl von 1.499 Einheiten ist bewusst gewählt: Sie verweist auf den Hubraum des ersten Ferrari-V12 aus dem Jahr 1947 – 1.499 cm³. Jedes Exemplar entsteht als Einzelauftrag im Tailor-Made-Programm, laut Handelsblatt ein klares Signal Ferraris Richtung traditioneller Gran-Turismo-Werte.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)