Der einzige Honda-Stromer für Deutschland wird seit April 2026 nicht mehr konfiguriert. Mit der globalen Streichung der 0-Series setzt Honda bis 2030 ausschließlich auf Hybride – und lässt den europäischen BEV-Markt links liegen.

Honda hat seine Elektrostrategie für Europa still und leise begraben. Der e:Ny1 – bisher das einzige reine Batteriefahrzeug (BEV) im deutschen Honda-Angebot – ist seit April 2026 nicht mehr konfigurierbar. Wer heute kaufen will, greift auf Lagerbestände zurück. Gleichzeitig hat Honda die geplante 0-Series weltweit gestrichen, die als Plattform für eine neue Generation softwarebasierter Elektroautos gedacht war. Für den deutschen Markt bedeutet das: Bis mindestens 2030 gibt es von Honda kein neues BEV.

Magere Bilanz: 1.166 Zulassungen in drei Jahren

Der e:Ny1 startete 2023 mit bescheidenen 266 Neuzulassungen in Deutschland. 2024 stieg die Zahl auf 795 – offenbar beflügelt durch Restzertifikate aus dem damals noch laufenden staatlichen Umweltbonus, der am 17. Dezember 2023 überraschend gestoppt wurde. 2025 brach die Nachfrage auf 105 Einheiten ein. In drei Jahren kumuliert: 1.166 verkaufte Fahrzeuge. Zum Vergleich: Volkswagen verkauft den ID.3 in einem durchschnittlichen Monat ähnlich oft. Überschüssige e:Ny1-Bestände sollen laut Elektroauto-News.net in Skandinavien und Großbritannien verwertet werden, wo das Modell etwas stärkere Nachfrage hatte.

Milliardenverlust zwingt Honda zum Kurswechsel

Hinter dem Rückzug steckt eine ernste Finanzkrise. Honda verbuchte für das Geschäftsjahr 2026 operative Wertberichtigungen von umgerechnet 1,47 bis 3,1 Milliarden Euro – der erste Verlust seit dem Börsengang 1957, wie ecomento.de berichtet. Die Abschreibungen betreffen vor allem die US-amerikanischen EV-Projekte, einschließlich der auf der General-Motors-Ultium-Plattform basierenden Modelle Prologue und Acura ZDX – beide ausschließlich für den US-Markt, ohne jede Relevanz für DACH.

Hybrid statt BEV: Das bleibt Honda-Käufern

Statt neuer Elektromodelle setzt Honda in Europa auf überarbeitete Hybridversionen seines bestehenden SUV-Lineups. CR-V, HR-V und ZR-V sollen ab 2026 in aufgefrischten Hybrid-Varianten angeboten werden. Global plant Honda bis 2030 insgesamt 15 neue Hybridmodelle – BEVs für Kontinentaleuropa sind in diesem Fahrplan nicht vorgesehen.

Was e:Ny1-Besitzer wissen müssen

Wer bereits einen e:Ny1 fährt, muss sich vorerst keine Sorgen um Garantie oder Ersatzteile machen. Honda hat zugesagt, das bestehende Servicenetz aufrechtzuerhalten. Unklar bleibt allerdings, wie lange Ersatzteile und Software-Updates langfristig verfügbar bleiben – konkrete Zusagen über 2030 hinaus gibt es bisher nicht. Lagerfahrzeuge sind in Deutschland noch vereinzelt erhältlich, profitieren aber weder vom eingestellten Umweltbonus noch von einer herstellerseitigen Kaufprämie. Die steuerliche 0,25-Prozent-Regelung für die Dienstwagenversteuerung gilt weiterhin für BEVs mit einem Bruttolistenpreis bis 70.000 Euro.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)