Eine schwedische Langzeitstudie mit fast 10.000 Batterietests zeigt: Kia e-Niro und Hyundai Kona Electric verlieren kaum Kapazität – doch beim Tesla Model 3 entscheidet der Zelllieferant mehr als das Modell.

Wer einen gebrauchten Elektrowagen kauft, fragt sich vor allem eines: Wie viel Reichweite bleibt noch übrig? Das schwedische Gebrauchtwagenportal Carla hat zwischen 2022 und 2026 insgesamt 9.954 Batterietests nach dem AVILOO-Diagnoseverfahren – einem auch in Deutschland und Österreich etablierten Standard – ausgewertet. Das Ergebnis: Die meisten modernen Elektroautos behalten nach 100.000 km mehr als 91 Prozent ihrer ursprünglichen Batteriekapazität. Welche Modelle sich besonders hervortun und wo der Unterschied liegt, ist für den Gebrauchtkauf entscheidend.

Rangfolge: Kia und Hyundai vorne, VW-Gruppe solide

Den ersten Platz belegt der Kia e-Niro mit 64-kWh-Akku: Er behält nach 100.000 km im Schnitt 97,25 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität. Der Hyundai Kona Electric mit identisch großem Akku folgt dicht dahinter mit 97,18 Prozent. Platz drei geht an den Kia EV6 (77,4 kWh) mit 95,95 Prozent.

Die vollständige Top 10 im Überblick:

1. Kia e-Niro (64 kWh) – 97,25 % 2. Hyundai Kona Electric (64 kWh) – 97,18 % 3. Kia EV6 (77,4 kWh) – 95,95 % 4. Volvo XC40 Recharge (69 kWh, CATL) – 94,70 % 5. Polestar 2 (78 kWh, CATL) – 94,35 % 6. BMW i3 (120 Ah) – 93,77 % 7. Polestar 2 (78 kWh, LG Chem) – 93,53 % 8. Tesla Model 3 (60,5 kWh, CATL LFP) – 93,34 % 9. Audi e-tron 50 (71 kWh) – 93,02 % 10. Audi e-tron 55 (95 kWh) – 92,93 %

In den Top 20 finden sich außerdem Skoda Enyaq iV, VW ID.3, VW ID.4, Audi Q4 e-tron sowie Tesla Model S, Model X und Model Y. Schlusslicht der Elitegruppe ist der VW ID.3 mit 91,79 Prozent – ein Wert, der im Gebrauchtwagen-Alltag kaum spürbar ist, aber zeigt, dass selbst das Schlußlicht der Top 20 kaum Kapazität verliert.

Zelllieferant entscheidet – besonders beim Tesla Model 3

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Nicht nur das Modell zählt, sondern auch der Hersteller der Batteriezellen und die verwendete Chemie. Das zeigt sich am deutlichsten beim Tesla Model 3.

Die Variante mit dem CATL-Akku auf Lithium-Eisenphosphat-Basis (LFP) kommt nach 100.000 km auf 93,3 Prozent Restkapazität. Fahrzeuge mit LG-Chem-Zellen erreichen 91,5 Prozent. Am stärksten fällt der Wert bei Panasonic-Akkus ab: 89,8 Prozent bei der 77,8-kWh-Variante, 88,2 Prozent bei der 52,4-kWh-Version – und das, obwohl alle Fahrzeuge äußerlich identisch wirken.

Wer ein gebrauchtes Tesla Model 3 kauft, sollte deshalb vor Vertragsabschluss eine AVILOO-Diagnose einholen, die den genauen Batteriezustand (State of Health, SOH) dokumentiert. AVILOO-Prüfpartner sind in Deutschland und Österreich verfügbar.

Was das für den Gebrauchtkauf bedeutet

Die Studie – laut electrive.com eine der größten ihrer Art – liefert eine klare Botschaft: Moderne Elektroautos mit mehr als 100.000 km auf dem Tacho sind kein Risikokauf. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, sollte neben Baujahr und Kilometerstand auch den Batteriezustand prüfen lassen und den Zelllieferanten des jeweiligen Modells recherchieren – wie InsideEVs betont, kann dieser Unterschied mehrere Prozentpunkte SOH ausmachen.

Ein Einschränkung gilt: Die Daten stammen aus Schweden, wo kühlere Temperaturen die Batterien etwas schonender belasten als sommerliche Hitze in Süddeutschland oder Österreich. Experten schätzen den klimabedingten Unterschied auf unter zwei Prozentpunkte SOH – für eine Kaufentscheidung dennoch erwähnenswert.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)