Die US-Behörde NHTSA zwingt Tesla, rund 20.000 Fahrzeuge wegen zu heller Abblendlichter zurückzurufen – in Deutschland und der EU gelten andere Vorschriften.

Die US-Fahrzeugsicherheitsbehörde NHTSA hat Tesla verpflichtet, etwa 19.900 Exemplare des Model 3 und Model Y (Baujahre 2017–2023) wegen zu heller Abblendlichter zurückzurufen. Die gemessenen Lichtstärken erreichten bis zu 230 Candela – fast doppelt so viel wie der zulässige US-Grenzwert von 125 Candela. Für Fahrzeuge in Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht kein Handlungsbedarf: Sie unterliegen dem europäischen Standard ECE Regulation 112, nicht dem amerikanischen Bundesstandard FMVSS 108.

Zwei Normen, zwei Märkte

Die Trennung der Märkte ist hier entscheidend. In den USA regelt der FMVSS-108-Standard zulässige Lichtstärken in einzelnen Zonen des Lichtbündels – und genau dort lagen betroffene Tesla-Fahrzeuge teils weit über dem Limit. Tesla hatte 2024 bei der NHTSA beantragt, keinen Rückruf durchführen zu müssen, und argumentierte, die Abweichung habe keine wesentliche Auswirkung auf die Verkehrssicherheit. Die Behörde wies diesen Antrag nach erneuter Prüfung zurück.

In Europa gilt hingegen ECE R112, die andere photometrische Anforderungen definiert. Hierzulande zugelassene Model-3- und Model-Y-Fahrzeuge erfüllen diese Vorgaben, wie ElektroQuatsch (DE) und Teslamag.de (DE) bestätigen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat keine Rückrufkampagne für den deutschen Markt angekündigt.

Adaptive Scheinwerfer für EU-Fahrzeuge bereits im Rollout

Parallel dazu genehmigt Tesla in der EU schrittweise adaptive Scheinwerfer-Funktionen, die das Lichtbündel automatisch anpassen, um entgegenkommende Fahrer nicht zu blenden. Diese Freigabe läuft unabhängig vom US-amerikanischen Rückruf und ist kein Ersatz für die betroffenen Fahrzeuge in Nordamerika – sondern eine separate Weiterentwicklung für EU-zugelassene Modelle.

Scheinwerfer-Regulierung in den USA im Wandel

Der US-Rückruf ist kein Einzelfall: 2022 musste General Motors rund 820.000 Fahrzeuge wegen ähnlicher Scheinwerfer-Probleme in die Werkstätten rufen. Aktuell berät der US-Kongress den sogenannten LIGHT Safety Act, der das Verkehrsministerium beauftragen würde, eine einheitliche Höchstgrenze für die Abblendlicht-Helligkeit in den US-Bundesstandards festzulegen – eine Regelungslücke, die bislang zu Kritik von Fahrern und Gesetzgebern geführt hat.

Der US-Rückruf selbst lässt sich nicht per Software-Update (Over-the-Air) beheben; betroffene Fahrzeuge benötigen eine Neukalibrierung oder einen Hardwaretausch am Scheinwerfer in einer autorisierten Werkstatt.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)