Chery macht ernst. Während die deutschen Premiumhersteller noch mit der Transformation ihrer Modellpaletten ringen, schiebt der chinesische Staatskonzern mit dem Exeed EX7 ein SUV ins Rampenlicht, das technologisch gleich an mehreren Fronten angreift. Der EX7 – im Grunde die für den Weltmarkt geschärfte Version des Exlantix ET – lässt sich in China bereits gegen eine Anzahlung von rund 130 € (999 Yuan) reservieren. Für den deutschen Autofahrer ist das Modell deshalb relevant, weil Chery massiv nach Europa drängt und dabei gezielt auf die Lücke zwischen konventionellen Verbrennern und reinen Elektroautos (BEV) setzt.
Das technische Grundgerüst bildet die E0X-Plattform, die mit einem Radstand von exakt drei Metern reichlich Platz im Innenraum verspricht. Mit einer Gesamtlänge von knapp fünf Metern sortiert sich der EX7 direkt im Revier von Mercedes EQE SUV oder BMW iX ein. Doch im Gegensatz zu den deutschen Mitbewerbern, die sich oft auf eine Antriebsart festlegen, bietet Chery zweigleisige Kost: Eine rein elektrische Variante und eine Version mit Reichweitenverlängerer (Range Extender, EREV).
Seitenansicht des Exeed EX7. Foto: Y-Auto
Antriebsvarianz gegen die Reichweitenangst
Die EREV-Version kombiniert einen 1,5-Liter-Turbomotor mit einer Batteriekapazität von rund 40 kWh. Das Ergebnis ist eine rein elektrische Reichweite von bis zu 203 Kilometern – ein Wert, der für die meisten Pendlerstrecken in Deutschland mehr als ausreicht, während der Verbrenner als Generator für die Langstrecke fungiert. Für die reine Elektro-Fraktion steht ein Allradsystem mit einer Systemleistung von über 350 kW (480 PS) bereit, gespeist aus einem 97,7 kWh starken Akku. Chery verspricht hier Reichweiten von über 700 Kilometern, wobei dieser Wert nach dem chinesischen Zyklus berechnet wurde und unter europäischen Bedingungen (WLTP) realistisch eher bei 550 bis 600 Kilometern landen dürfte.
Besonders spannend für die hiesige Zulieferindustrie: Der EX7 führt ein luftfahrtinspiriertes, elektronisch-mechanisches Bremssystem (EMB) ein. Diese Technologie verzichtet auf klassische Hydraulikleitungen und könnte die Reaktionszeiten bei Notbremsungen massiv verkürzen. Es ist ein deutliches Signal an deutsche Traditionsunternehmen wie Bosch oder Continental, dass der technologische Vorsprung aus Fernost nicht mehr nur die Batterie betrifft.
Wir werden beobachten, wie diese Entwicklungen die Position von Exeed im Premium-Segment beeinflussen.
— CHERY AUTOMOBILE
Feststoff-Batterien am Horizont
Während der EX7 zum Marktstart noch auf flüssige Elektrolyte in den sogenannten „Rhino“-Batterien setzt, bereitet Chery bereits den nächsten Sprung vor. In etwa einem Jahr sollen Tests mit Feststoff-Batterien abgeschlossen sein, die eine Energiedichte von 400 Wh/kg erreichen. Sollte Chery diese Technologie in Serie bringen, würde das die Karten auf dem deutschen Markt völlig neu mischen. Höhere Sicherheit, schnellere Ladezeiten und geringeres Gewicht sind die Argumente, gegen die aktuelle Lithium-Ionen-Akkus alt aussehen.
Das Heck zeigt ein durchgehendes Lichtband. Foto: Y-Auto
Im Interieur herrscht derweil digitale Askese. Ein 30-Zoll-Display dominiert das Cockpit, physische Tasten sucht man fast vergeblich. Das minimalistische Design folgt dem Trend, den Tesla gesetzt hat, wirkt aber durch hochwertigere Materialien wie Leder und ein Panorama-Glasdach deutlich wohnlicher. Für Chery ist der EX7 mehr als nur ein weiteres SUV; er ist der Imageträger für die globale Expansion. Angesichts der drohenden EU-Zölle auf chinesische Elektroautos wird es entscheidend sein, ob Chery die Produktion – wie bereits für Spanien und Polen diskutiert – lokalisiert, um preislich konkurrenzfähig zu bleiben.
Ob der EX7 den hohen Erwartungen deutscher Kunden an Fahrwerk und Verarbeitungsqualität gerecht wird, müssen erste Tests zeigen. Die Hardware-Basis des Exlantix ET ist jedoch vielversprechend und zeigt, dass die Zeit der billigen Kopien endgültig vorbei ist.
Quelle: CarNewsChina