Eigentlich schien das Thema erledigt. Mit dem Auslaufen des ersten BMW i3 verschwand auch der Range Extender (REx) aus dem Portfolio der Münchner. Doch während die Branche massiv auf reine Batteriefahrzeuge (BEV) setzte, hält man sich in der Konzernzentrale am Petuelring nun doch wieder ein Hintertürchen offen. Die Logik dahinter ist so simpel wie pragmatisch: Wenn der Markt es verlangt, liefert BMW – auch wenn das bedeutet, wieder einen Verbrenner als glorifizierten Generator in ein Elektroauto zu schrauben.
Produktchef Bernd Körber stellte kürzlich klar, dass BMW die Technologie keineswegs verlernt hat. Die technische Basis für eine Rückkehr des Range Extenders sei vorhanden, eine Entscheidung hänge jedoch primär von der globalen Nachfrage ab. Besonders in den USA zeigt sich derzeit ein interessanter Trend: Hersteller, die sich zu früh und zu radikal auf reine E-Autos versteift haben, rudern zurück. Dort wird der Verbrenner als Reichweiten-Backup wieder salonfähig, um die Schwellenangst der Kunden vor einer lückenhaften Ladeinfrastruktur zu dämpfen.
Der Pionier mit Verbrenner-Backup. Foto: BMW
Technologieoffenheit als strategischer Anker
Für den deutschen Autofahrer ist diese Debatte relevanter, als es auf den ersten Blick scheint. Trotz des massiven Ausbaus des Deutschlandnetzes und immer schnellerer Ladezeiten bleibt die Realität oft hinter den Hochglanzprospekten zurück. Die neue i3-Limousine der „Neuen Klasse“ soll zwar mit einer Reichweite von bis zu 805 Kilometern und einer Ladeleistung von 400 kW punkten, doch diese Werte sind Idealzustände. Wer regelmäßig schwere Anhänger zieht oder in Regionen mit schwacher Infrastruktur unterwegs ist, für den bleibt der Verbrenner als Sicherheitsnetz attraktiv.
BMW verfolgt hier konsequent den Ansatz der Technologieoffenheit. Während Konkurrenten wie Audi oder Mercedes-Benz ihre Strategien oft im Jahrestakt korrigieren, bleibt BMW dabei: Der Kunde entscheidet über den Antrieb. Das zeigt auch der Blick auf den kommenden X5 (G65). Hier verdichten sich die Hinweise, dass neben Benzinern, Dieseln und Plug-in-Hybriden auch eine Variante mit Range Extender kommen könnte. Gerüchten zufolge könnte eine solche Kombination eine Gesamtreichweite von über 1.000 Kilometern ermöglichen – ein Wert, der selbst eingefleischte Diesel-Fans ins Grübeln bringen dürfte.
BMW i3. Foto: BMW
Vom Motorrad-Motor zum High-Tech-Vierzylinder
Technisch müsste BMW für ein REx-Comeback jedoch umdenken. Der winzige Zweizylinder aus dem alten i3, der ursprünglich aus einem Motorroller stammte, wäre für ein Schwergewicht wie einen iX5 völlig unterdimensioniert. In der Branche wird spekuliert, dass BMW stattdessen auf bewährte Aggregate wie den Dreizylinder (B38) oder gar den Vierzylinder (B48) zurückgreifen könnte. Diese Motoren müssten jedoch massiv auf Effizienz im stationären Betrieb optimiert werden, um die strengen Anforderungen der Euro 7-Norm zu erfüllen.
Ein Range Extender ist jedoch kein Allheilmittel. Er bringt zusätzliche Komplexität, Gewicht und Wartungsaufwand in ein Fahrzeug, das eigentlich durch Einfachheit glänzen sollte. Zudem stellt sich die Frage der steuerlichen Einstufung in Deutschland. Wenn der Verbrenner nur als Generator dient, aber dennoch Emissionen verursacht, könnte der Vorteil bei der Dienstwagenbesteuerung schnell schwinden. BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post gibt zudem zu bedenken, dass bei Ladezeiten, die kaum länger dauern als ein Kaffeestopp, der Bedarf für ein „Notstromaggregat“ an Bord schlichtweg wegschmelzen könnte.