Der ID.Unyx 08 rollt seit März 2026 vom Band – ab umgerechnet €29.000 in China. Ob er je nach Deutschland kommt, hängt von Zöllen, Plattformstrategie und einem riskanten Präzedenzfall ab.

Volkswagen prüft, ob in China entwickelte Elektroautos künftig auch in Europa verkauft werden können. VW-Konzernchef Oliver Blume äußerte sich Ende April 2026 entsprechend vorsichtig – laut Autocar sei es jedoch „zu früh", über eine deutsche Lokalisierung zu entscheiden. Priorität hätten zunächst die eigenen Konzernplattformen.

ID.Unyx 08: das erste Gemeinschaftsmodell mit Xpeng

Der erste greifbare Schritt dieser Strategie ist der ID.Unyx 08 – ein fünfsitziger SUV mit 5.000 mm Länge, der seit dem 13. März 2026 im Volkswagen-Anhui-Werk (einem Joint Venture mit JAC) vom Band läuft. In China kostet er ab 229.900 CNY, umgerechnet rund €29.000. Die Akkuoptionen: 82 kWh für 630 km oder 95 kWh für 730 km – beides nach dem chinesischen CLTC-Messstandard, der mit WLTP nicht direkt vergleichbar ist. Das 800-Volt-Ladesystem (lädt schneller als die gängigere 400-Volt-Technik) erlaubt bis zu 315 kW Ladeleistung; in fünf Minuten sollen 150 km Reichweite nachgeladen werden.

Parallel dazu arbeitet VW gemeinsam mit Xpeng an der CMP-Plattform (Compact Main Platform), die 40 Prozent günstiger produziert werden soll als aktuelle Modelle. Serienstart in China: 2027.

Volkswagen-Modellpalette für China auf der Pekinger Automobilausstellung. Foto: VWVolkswagen-Modellpalette für China auf der Pekinger Automobilausstellung. Foto: VW

Zölle schlucken den Preisvorteil

Genau hier liegt das Problem für den DACH-Markt. Die EU erhebt auf chinesische EV-Importe 17 bis 38 Prozent Ausgleichszölle – zusätzlich zum regulären Einfuhrsatz von 10 Prozent. Auch VW-Modelle aus chinesischer Fertigung sind davon betroffen.

Aus €29.000 werden mit Zollbelastung schnell €34.000 bis €37.000 – bevor Händlermarge, Homologationskosten und lokale Anpassungen hinzukommen. Das wäre zwar immer noch deutlich günstiger als ein VW ID.4 (ab rund €56.000), komprimiert die Marge jedoch erheblich.

Ein Ausweg existiert, ist aber aufwendig: Cupra sicherte sich für den Tavascan eine Aussetzung von 20,7 Prozent der Ausgleichszölle – via Mindestpreisvereinbarung mit der EU-Kommission. Ob dieses Modell auf einen Massenmarkt-SUV wie den ID.Unyx 08 übertragbar ist, bleibt offen. Laut Reuters prüft VW zudem, ob chinesische Partnerunternehmen – SAIC, FAW, Xpeng – künftig freie Kapazitäten in europäischen Werken nutzen könnten. Konkrete Pläne gibt es nicht.

Der ID.Unyx 08 entstand in Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Xpeng. Foto: VWDer ID.Unyx 08 entstand in Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Xpeng. Foto: VW

Frühestens 2028 – wenn überhaupt

Für Kaufinteressenten im DACH-Raum bedeutet das: Geduld. Die CMP-Plattform startet in China 2027 – europäische Derivate wären damit frühestens 2028 oder 2029 realistisch. Den Bundesumweltbonus, der Ende 2023 ausgelaufen ist, wird kein China-VW mehr nutzen können. In Österreich läuft der E-Mobilitätsbonus (€2.000 Bundesanteil plus bis zu €3.000 Herstelleranteil) weiter; in der Schweiz gibt es kantonale Förderungen, aber keine Bundessubvention.

Blumes Formulierungen bleiben strategisch vage. Was feststeht: Die chinesische Entwicklungsgeschwindigkeit ist für VW Antrieb und Vorbild zugleich – der Transfer nach Europa ist jedoch alles andere als beschlossene Sache.

Максим Тропко
Maksim Tropko
36 jahre (18 jahre am Steuer)