Der Mercedes eActros 600 soll die Welt umrunden – nicht als Prototyp, sondern als Serienfahrzeug direkt aus dem Werk Wörth am Rhein. YouTuber Tobias Wagner, bekannt unter dem Namen „Elektrotrucker", plant ab Herbst 2026 eine Expedition über rund 45.000 km durch mehr als 35 Länder. Nach aktuellem Kenntnisstand wäre es die erste Weltumrundung mit einem rein batterieelektrisch angetriebenen Lkw — laut ecomento.de.
Nur 80 Ladestopps für 45.000 Kilometer
Die Zahl klingt ambitioniert: Wagner will die gesamte Strecke mit maximal 80 Ladestopps absolvieren. Das entspricht einem Schnitt von über 560 km pro Ladevorgang. Der eActros 600 erreicht nach WLTP-Norm (europäischer Verbrauchstest) rund 500 km Reichweite bei 40 Tonnen Gesamtgewicht – Wagner kalkuliert also knapp über dem Serienversprechen.
Drei LFP-Akkupakete, bis zu 400 kW Ladeleistung
Das Herzstück des Lkw sind drei Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP) mit je rund 207 kWh, zusammen gut 621 kWh. Geladen wird über zwei CCS2-Anschlüsse beidseitig am Fahrzeug, mit bis zu 400 kW Ladeleistung. Eine Nachrüstung für Megawatt-Charging (MCS, bis zu 1.000 kW) ist laut Daimler Truck Newsroom für spätere Serienfahrzeuge vorgesehen – damit wären 20 bis 80 Prozent Ladung in rund 30 Minuten möglich.
Kein Standard-Sattelzug
Für die Expedition wird kein herkömmlicher Sattelzugführer eingesetzt, sondern ein zweiachsiger Starr-Lkw mit Ladefläche. Hinter der Kabine entsteht ein Wohnmodul, das Wagner als rollendes Zuhause dient. Mercedes und Wagner haben gemeinsam an der Aerodynamik gefeilt: Die Karosserie soll den Luftwiderstand für maximale Reichweite minimieren, zugleich aber Schlaglöchern und schlechten Straßen außerhalb Europas standhalten. Zusätzliche Beleuchtung, neue Räder und ein eigenes Fahrzeugdesign runden den Umbau ab.
Der für die Weltumrundung vorbereitete Mercedes eActros 600 als Starr-Lkw mit Wohnmodul und aerodynamischen Anpassungen.
Beweis für die Branche
Wagner ist kein Quereinsteiger: Seit Sommer 2024 hat er rund 200.000 km mit Elektro-Lkw zurückgelegt – beruflich, für das ostfriesische Logistikunternehmen Nanno Janssen, das einen der wenigen rein elektrischen Lkw-Fuhrparke Europas betreibt. Das Projekt, das rund ein Jahr dauern soll, richtet sich direkt gegen Skeptiker, die Batterie-Lkw nur für kurze Stadtlogistik für tauglich halten. Für die deutsche Logistikbranche, die unter dem Druck der Dekarbonisierungsziele von KBA und ACEA steht, liefert die Expedition reale Betriebsdaten – jenseits von Labortests und Wasserstoff-Debatten.