Nipsea Group präsentiert eine neuartige Lackformulierung aus Kohlenstoff-Nanoröhren und Rußpartikeln – noch Laborstand, kein DACH-OEM involviert.

Forscher der Nipsea Group (Nippon Paint, Shanghai) haben einen Autolack entwickelt, der 99,9 Prozent des sichtbaren Lichts absorbiert. Die im Juni 2026 in der Fachzeitschrift Matter & Light veröffentlichte Studie beschreibt ein Material, das grundlegende Haltbarkeitstests für die Automobilindustrie bestanden hat – sich aber nach wie vor im Laborstadium befindet. Eine Markteinführung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist weder geplant noch angekündigt.

Aufbau und Wirkprinzip

Das Beschichtungssystem kombiniert Kohlenstoff-Nanoröhren mit nanoskaligen Rußpartikeln. Beim Aufbringen lagern sich die Rußpartikel auf den Nanoröhren ab und bilden eine kleinteilige Mikrostruktur mit zahlreichen Vertiefungen. Lichtstrahlen, die auf diese Oberfläche treffen, werden vielfach in das Innere dieser Strukturen reflektiert und verlassen sie kaum noch – daher die Absorption von 99,9 Prozent. Das Ergebnis: Die Karosserie verliert optisch jede Kontur und wirkt wie ein flaches, tiefschwarzes Silhouette-Objekt.

Entwickelt wurde das Material von den Wissenschaftlern Zhiwei Liu, Changyi Pan und Jet Cui. Zur Herstellung mischten sie Nanoröhren und Rußpartikel mit deionisiertem Wasser, einem Dispergiermittel und Stabilisierungszusätzen.

Haltbarkeitstests bestanden – aber noch viele Fragen offen

In den Prüfungen überstand das Material eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 95 Prozent bei 40 °C sowie eine zehntägige Vollwasser-Immersion ohne erkennbare Schäden oder Haftungsverluste. Diese Ergebnisse sind für ein Laborpräparat beachtlich – sie decken jedoch nur einen Teil der Anforderungen ab, die ein Serienlack erfüllen muss.

Noch ausstehend sind Prüfungen auf UV-Beständigkeit, Steinschlagfestigkeit, Kratzresistenz und Korrosionsschutz. Nipsea gibt selbst an, mit dem Material auf die wachsende Nachfrage nach tiefschwarzem Lack im chinesischen Luxussegment zu reagieren – ein Bedürfnis, das im DACH-Markt so nicht ausgeprägt ist.

Mikrostruktur des neuen Nipsea-Lacks: Kohlenstoff-Nanoröhren und Rußpartikel erzeugen gemeinsam die extreme Lichtabsorption.Mikrostruktur des neuen Nipsea-Lacks: Kohlenstoff-Nanoröhren und Rußpartikel erzeugen gemeinsam die extreme Lichtabsorption.

Vantablack als mahnendes Beispiel

Einen ähnlichen Anlauf gab es bereits 2019: BMW zeigte auf der IAA einen X6, der mit Vantablack VBx2 der britischen Surrey NanoSystems beschichtet war – einem Material, das bis zu 99,965 Prozent des Lichts absorbiert. Die Wirkung war spektakulär, die Serientauglichkeit jedoch nicht gegeben. BMW Group Press bezeichnete die Entwicklung eines alltagstauglichen Vantablack-Lacks damals als „enorme technologische Herausforderung". Vantablack landete schließlich als Beschichtung in der Luft- und Raumfahrt.

Die neue chinesische Formulierung hat den Schritt vom Labor zur Fertigung noch nicht vollzogen. Kosten, Produktionszeitraum und kommerzielle Verfügbarkeit nennt die Studie nicht. Keine der großen DACH-Marken – BMW, Mercedes-Benz, Audi, Porsche oder Volkswagen – hat Interesse an dem Material angemeldet. Technische oder rechtliche Hürden für eine Homologation in der EU wären nach aktuellem Stand nicht zu erwarten; die geltenden Lackvorschriften schließen ultra-schwarze Oberflächen nicht aus.

Ob aus dem Laborpräparat einmal ein Serien-Finish wird, bleibt offen. Der Fortschritt gegenüber Vantablack liegt weniger in der Absorptionsrate als in der angestrebten Skalierbarkeit – laut StudyFinds ein erklärtes Ziel der Forscher.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)