FAW Jiefang und HiNa Battery haben einen 339-kWh-Akku sieben Monate lang unter Realbedingungen erprobt – mit bemerkenswerten Kältewerten. Für den europäischen Markt bleibt die Technologie vorerst Zukunftsmusik.

Der chinesische Nutzfahrzeughersteller FAW Jiefang hat gemeinsam mit dem Zellentwickler HiNa Battery einen Natrium-Ionen-Akku (Na-Ion) mit 339 kWh über mehr als 15.000 km im realen Logistikbetrieb getestet. Der Versuch dauerte knapp sieben Monate und liefert bislang die umfangreichsten Praxisdaten für diese Batterietechnologie im Schwerlastbereich. Für den DACH-Markt ist der Truck nicht erhältlich – doch die regulatorischen Weichen für Natrium-Ionen in Europa werden gerade gestellt.

Kälte, Ladezeit, Lebensdauer

Das Kernresultat des Tests: Bei −40 °C behielt der Akku mehr als 90 % seiner nutzbaren Kapazität. Lithium-Ionen-Batterien verlieren bei solchen Temperaturen deutlich mehr Leistung, was bislang den Einsatz von E-LKW in nordischen oder alpinen Lagen begrenzt. Die Ladezeit lag laut FAW bei 20 bis 25 Minuten für eine Vollladung – ein Wert, der im Schichtbetrieb auf Logistikrouten kommerzielle Standzeiten deutlich reduzieren würde. Dazu kommt eine Zyklenfestigkeit von mehr als 8.000 Ladezyklen unter Schnellladebelastung, was die meisten heute verfügbaren Lithium-Systeme übertrifft.

HiNa Battery gibt die Energiedichte der eigenen Zellen mit 155 bis 165 Wh/kg an. Damit eignet sich die Technologie derzeit vor allem für stationäre Speicher, Nutzfahrzeuge und Niedriggeschwindigkeitsfahrzeuge – weniger für PKW, wo Energiedichte über Reichweite entscheidet.

Regulatorik öffnet den Weg – Marktreife fehlt noch

In Europa schafft die ADR 2025 (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) erstmals eigene UN-Klassifikationen für Natrium-Ionen-Batterien: UN 3551 für Zellen und UN 3552 für Batterien. Die neuen Klassen gelten ab Januar 2025, in Deutschland mit Übergangsfrist bis Juli 2025. Für Logistikbetreiber bedeutet das: Natrium-Ionen-Akkus gelten im Gefahrguttransport als weniger risikoreich als Lithium-Systeme – ein praktischer Vorteil bei Flottenlogistik und Ersatzteilverkehr, laut Handelsblatt Mobilität.

Produktion in Europa läuft bislang nur auf kleiner Flamme: Das schwedische Unternehmen Altris hat Anfang 2026 gemeinsam mit dem tschechischen Chemiespezialisten Draslovka die erste europäische Fertigungslinie für Na-Ion-Zellen gestartet. Kapazitäten und eine mögliche Belieferung von Fahrzeugherstellern in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sind noch nicht kommuniziert. Den FAW-Jiefang-J6P-Truck selbst gibt es in keiner der drei Märkte zu kaufen; HiNa Battery unterhält laut verfügbaren Quellen keine bestätigten OEM-Partnerschaften im DACH-Raum.

Wann Natrium-Ionen-Batterien tatsächlich in europäischen Serienfahrzeugen ankommen, bleibt offen. Das Vattenfall Business Magazin schätzt 2027 als frühestmöglichen Zeitpunkt – und zwar zunächst im Kompaktfahrzeugsegment, nicht im Schwerlastbereich. Die FAW-Daten zeigen, dass die Technologie unter extremen Bedingungen funktioniert. Ob und wann europäische Hersteller daraus eine Beschaffungsstrategie ableiten, entscheidet sich in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Максим Тропко
Maksim Tropko
37 jahre (18 jahre am Steuer)