Porsche schließt drei Tochterunternehmen und baut damit über 500 Stellen ab. Betroffen sind die Batterie-Einheit Cellforce Group in Kirchentellinsfurt, das E-Bike-Werk Porsche eBike Performance in Ottobrunn sowie die Software-Einheit Cetitec in Pforzheim. Der Konzern begründet die Einschnitte mit der Notwendigkeit, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren – nach einem Gewinneinbruch von 90 Prozent im Jahr 2025 auf nur noch 413 Millionen Euro (Vorjahr: 5,64 Milliarden Euro).
Kirchentellinsfurt, Ottobrunn, Pforzheim: Wo die Jobs wegfallen
Cellforce Group, gegründet zur Entwicklung hochleistungsfähiger Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge und den Motorsport, verliert mit der Schließung 50 Arbeitsplätze. Baden-Württemberg hatte das Projekt 2022 mit 17 Millionen Euro Landesförderung unterstützt – Geld, das nun ohne nachhaltigen industriellen Ertrag bleibt.
Der größte Stellenabbau trifft Porsche eBike Performance in Ottobrunn bei München: Rund 360 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle, weitere 30 am kroatischen Standort Zagreb. Porsche begründet die Schließung mit „fundamental veränderten Marktbedingungen" im E-Bike-Antriebssegment.
Cetitec, ein Ingenieur- und Beratungsunternehmen für Fahrzeugprojekte mit Sitz in Pforzheim, wird ebenfalls aufgelöst: 60 Stellen in Deutschland, 30 in Kroatien fallen weg. CEO Michael Leiters sprach von schmerzhaften, aber notwendigen Entscheidungen für den strategischen Neustart des Konzerns.
Car-IT-Integration und das Ende der Khan-Ära
Gleichzeitig löst Porsche die eigenständige IT-Einheit Car-IT auf und gliedert sie in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung unter Michael Steiner ein. Das ist bemerkenswert: Die Vorstandsstelle für Software und Digitalisierung war 2021 eigens für Sajjad Khan geschaffen worden, den Porsche damals von Mercedes-Benz abwarb. Khans Handschrift ist in neueren Modellen wie dem elektrischen Cayenne sichtbar – überarbeitetes Infotainment, erweiterte Online-Dienste. Laut Automobilwoche verdiente Khan 2025 rund 1,4 Millionen Euro. Mit der Integration in R&D; verliert die Digitalisierung ihren eigenständigen Vorstandssitz.
Macan-Lücke bis 2028 – und die Frage der Strategie
Zusätzlich zur Stellenabbau-Welle zeichnet sich ein Produktproblem ab: Die Fertigung des Macan mit Verbrennungsmotor endet im Sommer 2026. Ein Nachfolger mit Benzin- oder Hybridantrieb soll laut Insidern frühestens 2028 kommen – laut Kelley Blue Book bestätigte das CFO Jochen Breckner in einer Analystenkonferenz. In der Zwischenzeit steht nur der elektrische Macan zur Verfügung, dessen Absatz im ersten Quartal 2026 in den USA bei lediglich 44 Prozent der Verbrenner-Verkaufszahlen lag.
Die Schließung von Cellforce signalisiert zudem einen Rückzug aus der eigenen Batterieentwicklung – laut Porsche Newsroom setzt der Konzern künftig auf eine „technologieoffene Antriebsstrategie", also Zukauf statt Eigenentwicklung. Das ist eine deutliche Kurskorrektur gegenüber den ambitionierten Elektrifizierungszielen der vergangenen Jahre – und geschieht vor dem Hintergrund, dass der VW-Konzern konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland abbaut.